Europa

Seit der Herrschaft der Römer und der Griechen ist die Entfernung der Körperbehaarung in Europa ein ständiges Thema. Bei den Römern galt es als ein Zeichen dafür, dass ein Junge erwachsen wurde, wenn er sich zum ersten Mal rasierte. Auch um den Göttern Respekt zu bekunden, wurden die Haare entfernt. Im antiken Rom waren Badeanlagen weit verbreitet und galten als Mittelpunkt der Körperpflege. Dort wuschen sich die Menschen nicht nur, auch war es nicht unüblich, sich dort die Achselbehaarung oder die Haare an den Beinen zu entfernen.

In der Antike fanden die Griechen es ebenfalls erstrebenswert, keine Haare am Körper zu tragen. Forscher fanden Vasen, auf denen nackte Menschen zu sehen waren, die bis auf die Kopfbehaarung völlig haarlos waren. Um die Bikinizone zu epilieren, wurde damals oft ein arsenhaltiges Auripigment (ein Arsen-Schwefel-Mineral) genutzt. Forscher fanden Aufzeichnungen, bei denen zu sehen war, dass Prostituierte um das Jahr 590 vor Christus im Intimbereich epiliert waren.

Abscheu vor behaarten Frauen

Als Erklärung für den Wunsch nach einem unbehaarten Körper heißt es, dass viele Männer in der klassischen Epoche eine Abscheu vor Frauen, die im Intimbereich behaart waren, entwickelt hatten. Selbst wenn manche Werke der griechischen Kunst Frauen mit Schambehaarung darstellen, wird davon ausgegangen, dass diese Haare in der Regel ganz oder zumindest teilweise entfernt wurden.

Im Mittelalter, also von etwa 500 bis 1500 nach Christus, lag es für Frauen teilweise sogar im Trend eine Glatze zu haben. Viele Frauen in Europa wollten zu der Zeit tatsächlich kahlköpfig sein. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts kam für Frauen in Mode, sich die Augenbrauen zu zupfen. Auch eine hohe Stirn galt eine Zeit lang als Zeichen für Schönheit. Wer nicht von Geburt an mit einer hohen Stirn gesegnet war, zupfte sich die vorderen Haare aus oder rasierte sie ab.

Eine recht gut erhaltene Reliefdarstellung aus dem zwölften Jahrhundert zeigt eine Frau, die sich mit einer Schere die Schamhaare schneidet. Forscher sind sich uneinig, wie stark verbreitet die Entfernung der Körperbehaarung zu dieser Zeit wirklich war. Doch durch diese Darstellung weiß man, dass das Stutzen der Schamhaare zumindest bekannt war.

Haarentfernung im Kampf gegen „Hexen“

Durch die Hexenverfolgung im 15. und 16. Jahrhundert bekam die Entfernung von Schamhaaren einen negativen Beigeschmack. Das vollständige Entfernen der Körperbehaarung sollte den als Hexen verdächtigten Frauen ihre Zauberkraft nehmen.

Bei der Suche nach den sogenannten Teufelsmalen, also einem Zeichen, mit dem der Teufel die Frau gekennzeichnet haben soll, rasierte oder epilierte man die Frauen am ganzen Körper. So sollte man die verdächtigen Leberflecken oder Narben, die angeblich vom Teufel stammten, besser erkennen können, um die Frau als Hexe zu überführen.

Um die Haare loszuwerden und somit dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen, hatten die Menschen im Laufe der Zeit verschiedene Methoden entwickelt. Im 18. Jahrhundert wurde ein Rezept veröffentlicht, in dem dazu geraten wurde, 52 Eier zu zerkleinern und sie durch Feuer zu destillieren. Die Flüssigkeit, die dabei entsteht, sollte man als eine Art Enthaarungscreme verwenden und an den Stellen auftragen, an denen Haare verschwinden sollten.

Wer keine Hühner hatte, konnte stattdessen auch auf ein Rezept mit Katzenkot anwenden. Der trockene und harte Kot musste dafür zu Pulver verarbeitet und mit Essig gemischt werden. Auch das sollte angeblich für glatte Haut sorgen.

Der erste Rasierapparat

Ebenfalls im 18. Jahrhundert machte ein französischer Friseur eine Erfindung, die die Enthaarung in Europa einen großen Schritt nach vorn brachte: Er entwickelte ein Gerät, mit dem man Haare rasieren konnte. Der Vorläufer des ersten Rasierapparates war geboren.

Im 20. Jahrhundert entfernten sich in Europa nur wenige Frauen die Schambehaarung. Während der Hippie-Zeit in den 60er und 70er Jahren war es geradezu normal, stark behaart zu sein. Die Menschen wollten zurück zur Natürlichkeit und sich nicht den aktuellen Zwängen und Schönheitsidealen unterwerfen.

Parallel zur Hippie-Bewegung gab es in den 1960er Jahren aber auch einen gegensätzlichen Trend. Denn als etwa in den 1960er Jahren der Bikini in Mode kam, und die Frauen somit mehr Haut zeigten, wollten viele nicht, dass darunter ihre Haare hervorblitzten. Immer häufiger wurden in dem Medien Frauen mit glatter Haut gezeigt und so empfand auch die „normale“ Frau Körperbehaarung immer mehr als störend.

Enthaarung wird gesellschaftsfähig

In den 80er und 90er Jahren wurde Körperbehaarung zunehmend unbeliebter. Haarlos sollten die Frauen sein, vor allem im Intimbereich wurde es als schön angesehen, wenn dort keine Haare die Geschlechtsteile verdeckten. Brazilian Waxing, also das komplette Entfernen der Schamhaare wurde gesellschaftsfähig und oft thematisiert. Dieses Ideal kann man heute von erfolgreichen Fernsehformaten wie „Sex and the City“ bis hin zu den Models im Playboy-Magazin erkennen. Ende des Jahres 2001 war Dalene Kurtis das erste Playmate, das mit ganz nackter Intimzone abgelichtet wurde.

Seiten zur Geschichte der Enthaarung